LeadershipVision erfüllt, was nun?

Wir fragen das Management über neue Visionen, Strategien und Fahrpläne.

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    Zhang Jianming und Prof. Helmar Franz

Haitian International behauptet seine Führungsposition in dem Bereich der Kunststoffspritzgießmaschinen nunmehr im dritten Jahr in Folge. Und dies trotz eines Umsatzrückganges um etwa zehn Prozent im Jahr 2013. Sieht man genauer hin, fallen sofort die qualitativen Faktoren auf: Ein ausgezeichnetes Großmaschinengeschäft und ein höherer Durchschnitts-Stückpreis infolge gestiegener Umsätze mit vollelektrischen und servo-hydraulischen Maschinen. Einmal mehr hat der Konzern es verstanden, in einem schwierigen Marktumfeld nachhaltig profitabel zu agieren − und aus dem Wettbewerb aller asiatischen Maschinenbauer als klarer Gewinner hervorzugehen. Über die zukünftigen, neuen Strategien des Managements sprachen wir mit den Herren Zhang Jianming und Professor Franz.

Haitian International scheint nach wie vor die Pole-Position zu behalten. In Stückzahlen, Umsatz und auch in Punkto Profitabilität und Effizienz. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Herr Zhang: Natürlich ist unser Erfolg vorwiegend das Ergebnis des Vertrauens unserer Kunden und Kunststoffverarbeiter in mehr als 130 Ländern, und er basiert auf unseren kundenorientierten Strategien über alle Betriebsabläufe und Prozesse unseres Unternehmens hinweg. Forschung und Entwicklung sowie Innovation sind hierbei die Schlüsselfaktoren und folgen stets einem tiefgreifenden Verständnis der Entwicklung in der Kunststoffverarbeitung an dem jeweiligen Standort des Kunden. Ich meine, unser Erfolg ist auch unserer Unternehmensphilosophie zu verdanken,  die die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen und Bedürfnisse der Kunststoffverarbeiter bei der Entwicklung von Maschinen anspricht und berücksichtigt. Gerade aus diesem Grund haben wir die servohydraulische Maschinenbaureihe Mars Series entwickelt, deren Absatzzahlen − durch alle Marktschwankungen hindurch − beständig gewachsen sind. Von dieser Baureihe wurden seit Markteinführung mehr als 75.000 Maschinen an Kunden ausgeliefert. Sie hat dabei geholfen wesentliche Kostenelemente, wie zum Beispiel Stromkosten und die Kosten für andere Betriebsmittel, in den Griff zu bekommen.

Andererseits haben unsere vollelektrischen Maschinenbaureihen der Marke Zhafir unseren Kunden dabei geholfen, den steigenden Kunststoffpreisen entgegenzuwirken. Indem sie eine verbesserte Genauigkeit, ein reduziertes Gewicht und eine geringere Ausschussrate bieten, ebenso wie eine größere Maschinengeschwindigkeit mit daraus resultierenden kürzeren Zykluszeiten und einer höheren Produktivität. Das Geheimnis dahinter ist, wie wir es nennen, die Technologie genau auf den Punkt zu bringen. Also genau das bereitzustellen, was benötigt wird, um das Bauteil effektiv in hoher Qualität und zu einem bezahlbaren Preis herzustellen. Darüber hinaus müssen wir unseren eigenen Fertigungsprozess kontinuierlich verbessern und vervollkommnen. Wir haben ein ausgereiftes Qualitätskontroll- und Qualitätsmanagementsystem entwickelt und bilden unsere Arbeitnehmer kontinuierlich weiter. Wir haben Grundsätze der „schlanken Produktion“ eingeführt und verbessern den Einsatz unserer umlaufenden Betriebsmittel, um stets die am wirtschaftlichsten hergestellte Maschine im höchsten Qualitätsstandard zu haben.

Weltweit die Nummer 1 zu sein ist für viele Unternehmen das Ziel. Kann man das noch übertreffen? Welche Herausforderungen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Herr Zhang: Ja, natürlich, es gibt immer neue Ziele und Herausforderungen. Unsere Vision war es, über mehrere Jahre hinweg der weltweit größte Hersteller von Kunststoffspritzgießmaschinen in Punkto Absatzvolumen und Verkaufswert zu sein. Dies haben wir erfüllt und wir haben nunmehr die nächste Vision für unser Unternehmen formuliert. Marktführer zu sein, ist keine Selbstverständlichkeit und keine Zuschreibung, die man sich selbst gibt: Es bedeutet, dass man am Markt auch als solcher anerkannt werden muss, von den Kunden, den Lieferanten, den Geschäftspartnern, aber auch von dem Wettbewerbern und den Finanzmärkten. Marktführerschaft muss täglich neu bewiesen werden, und sie muss dynamisch sein, um nachhaltig zu sein. Marktführerschaft verlangt auch Engagement, das ganze Team muss sie vorleben. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Marktführerschaft viele Dimensionen hat, und darauf basiert unsere neue Vision, die sich auf drei Hauptrichtungen fokussiert: Kommunikation, Innovation und Effizienz.

Können Sie das etwas ausführlicher beschreiben?

Prof. Franz:  Wir glauben, dass diese drei Dimensionen entscheidend sind für eine nachhaltige Marktführerschaft. Wir werden unser Leistungsvermögen in den kommenden Jahren nach diesen Gesichtspunkten bewerten, um Ziele festzulegen und Möglichkeiten auszuschöpfen. Kommunikation ist, im Gegensatz zu Information, nicht einseitig gerichtet, sondern umfasst aktives Feedback, also eine ständige Rückkoppelung. Das bedeutet, dass man Plattformen schafft, auf denen das Feedback hinterlassen und somit zum Bestandteil eines aktiven Informationsaustausches werden kann. Um dies zu ermöglichen, werden wir zahlreiche neue Kommunikationswerkzeuge nutzen. Innovation ist schon immer ein Schlüsselfaktor in unserer Entwicklung gewesen. Künftig nutzen wir sie noch intensiver, um die jeweils leistungsstärkste und ressourcenschonendste Maschinentechnologie zu einer anwendungsgetriebenen standardmäßigen "punktgenauen" Technologie weiterzuentwickeln. Und Effizienz ist die Quelle unseres nachhaltigen Wachstums und Gewinns. Sie verschafft uns die Mittel zur Entwicklung und Vertiefung zufriedener Beziehungen zu Kunden und Investoren, Geschäftspartner, Lieferanten und Mitarbeiter. Wir sind davon überzeugt, dass eine Strukturierung unserer Arbeit nach diesen Grundsätzen und Kriterien in eine nachhaltige Marktführerschaft münden wird.

Das heißt also, die neue Vision zielt weniger auf definierte Leistungskennzahlen als vielmehr auf die Art und Weise? Auf individuelle und gehaltvolle Kommunikation, Innovation und Effizienz?

Prof. Franz:  Genau. Es bedeutet, dass wir verstehen müssen, dass nachhaltige Marktführerschaft das Ergebnis eines Steuerungsprozesses ist, einer Art Netzwerk von miteinander verknüpften dynamischen Prozessen. Sie umfasst jeden einzelnen Ablauf und Prozess im Unternehmen und deren Wechselwirkungen mit unseren Mitarbeitern und Geschäftspartnern, Märkten und Kunden, Lieferanten und Investoren. Die Ziele in den genannten drei Dimensionen, die ich auch als das "Dreieck des Erfolges" bezeichnen möchte, werden über einen bestimmten Zeitraum in spezifische Aufgaben aufgeteilt werden, jedoch wird ihre Erfüllung − das Schaffen neuer und verbesserter Standards − automatisch das Festlegen neuer Aufgaben anregen. Bei Innovation ganz vorn mit dabei zu sein bedeutet "punktgenaue Technologie", jedoch muss das herzustellende Kunststoffteil eher im Fokus einer anwendungsgetriebenen und ressourcenschonenden Forschung und Entwicklung gefertigt werden. Und schließlich müssen wir auch noch berücksichtigen, dass das letztendliche Ziel für das Unternehmertum in der Gewinnerzielung besteht. Effiziente betriebsinterne Abläufe und Prozesse auf allen Ebenen, nicht nur in der Fertigung, sondern auch in den Bereichen der Verwaltung, des Vertriebs und des Kundenservice, sind der Garant dafür, dass die Marktführerschaft in diesem Segment aufrechterhalten werden kann und dass auf diese Weise ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um Wachstum und Entwicklung zu finanzieren. Auch mit dem Ziel zufriedener Gesellschafter, die den eingeschlagenen Weg unterstützen.

FINANCIAL HIGHLIGHTS 2012

  • Nachhaltige Vertriebsleistung trotz schwieriger Marktsituation
  • Verbesserte Brutto- und Nettogewinnspanne
    im 2. Halbjahr
  • Anhaltende Profitabilität
  • Starker operativer Cashflow und eine solide wirtschaftliche Position
  • Erfolgreiche Markteinführung der neuen Maschinengeneration 2
  • Baureihe Zhafir Venus Series:
    Absatzsteigerung um 14,2 %
  • Baureihe Haitian Jupiter Series:
    Absatzsteigerung um 10,8 %
  • Baureihe Haitian Iapetus Series:
    Absatzsteigerung um 42,8 %

Weitere Informationen: Zahlen & Fakten

Prof. Franz: Das ist richtig, und wir sind uns dessen bewusst. Leider erstrahlt der Stern der chinesischen Werkzeugmaschinen- und Maschinenindustrie noch nicht in allen Teilen der Welt so hell. Dies ändert sich aber mit zunehmender Geschwindigkeit. Denken Sie nur an die vier Millionen Maschinenbau-Studenten in China und an rund 500.000 Ingenieure, die jedes Jahr in den Markt eintreten. Aus meinen Gesprächen mit jungen Ingenieuren kann ich berichten, dass ihr Ziel keinesfalls darin besteht, etwas Vorhandenes zu kopieren, sondern dass sie fest entschlossen sind, etwas Neues zu erfinden und zu entwickeln. Sie sind voller Ehrgeiz, innovativ tätig zu sein. In vielen Teilen der Welt, insbesondere auch in Entwicklungsländern, ist „Made in China" bereits zu einem weitgehend anerkannten Warenzeichen geworden. Überall dort, wo Wert auf eine möglichst einfache Funktionalität des Kunststoffteiles gelegt wird, ist unsere Strategie der "punktgenauen Technologie" das beste Angebot. Und dies gilt nicht nur für die Entwicklungsländer, sondern auch für Hochtechnologie-Anwendungen, bei denen Stahl und andere Metalle durch technische Kunststoffe wie Polyetheretherketon (PEEK) oder Polyphenylensulfid (PPS) ersetzt werden. Natürlich wird es Zeit brauchen, und wir verstehen das. Es ist sehr wichtig, dass neue Ideen und Ansätze nicht nur formuliert werden, sondern dass sie sich auch in der Realität entsprechend bewähren. Dem müssen wir Zeit einräumen, und natürlich sind wir bereit, dies mit unserer vollen technischen Leistungskraft und Servicekompetenz entsprechend zu unterstützen und somit eine Atmosphäre des Vertrauens in chinesische Maschinentechnik zu schaffen. Ermutigende Ergebnisse sind bereits jetzt zu beobachten, und wir können dahin gehend Nachbestellungen verzeichnen, die bei uns von hochtechnisierten Kunststoffverarbeitern aus Japan für unsere vollelektrischen Maschinen eingegangen sind. Hätte man noch vor einigen Jahren daran zu glauben gewagt? Das heißt, dass sich die Grundlage und die Akzeptanz gegenüber unseren Verkaufsargumenten und gegenüber den gebotenen Vorteilen ändern, und dass wir ganz klar auf dem Weg sind, ein anerkannter Wettbewerber in unserem Sektor zu werden.

Eine neue Strategie festzulegen ist nun die eine Sache. Eine weitere Herausforderung besteht jedoch darin, eine Mission und die Meilensteine innerhalb des eigenen (weltweiten) Teams aufzustellen, um eine konsequente Kommunikation mit dem Markt aufrechtzuerhalten. Welche Aktivitäten planen Sie in dieser Hinsicht, was sind die nächsten Schritte?

Herr Zhang: Wie bereits erwähnt, wird diese Vision nur dann zum Tragen kommen, wenn sie zum schrittweisen Bestandteil der täglichen Arbeit eines jeden Einzelnen wird. Alle zukünftigen Strategien, Investitionen und neuen Entwicklungen müssen sodann dieser Richtlinie folgen. In dem verbleibenden Zeitraum dieses Jahres ist es uns deshalb auch so wichtig, die Markteinführung auf der K Trade Show in Düsseldorf im Oktober zu nutzen, die Botschaft in Strategie-Workshops und Lehrgängen an alle Mitarbeiter und Geschäftspartner zu vermitteln. Es muss weiterhin eine Anpassung an die verschiedenen Themen und Problemstellungen in den unterschiedlichen Teilen der Welt erfolgen, um die wirklich wichtigen Themen anzusprechen. Dies und die hoffentlich zahlreichen Gespräche mit Kunden, Lieferanten und Investoren sollen diese Vision ebenfalls weiter ausformen und sie noch verständlicher und zugänglicher machen, damit jeder Einzelne seinen Beitrag zu Verbesserung und Nutzen leisten kann.


Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

 

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