Anwenderberichte„Technologien sinnvoll nutzen“

Interview mit Führungskräften von GIRA, Systemlieferant Gebäudetechnik, Medizin- und Pharmaindustrie

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    „Der seriöse Umgang mit Ressourcen gebietet es, vorhandene Technologien dahingehend zu prüfen, ob wir sie sinnvoll verwenden können oder nicht.“
    Alfred A. Bulitz, Geschäftsführer

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    „Jeder versucht, Argumente gegen den Wettbewerb und speziell chinesische Hersteller zu platzieren. Da ist die Gefahr groß, dass man sich fernlenken lässt.“
    Andreas Höller, Projektleiter Industrialisierung

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    „Veränderung ist sehr wichtig. Nur so kommen wir voran.“
    Heike Henze, Stellvertretende Einkaufsleiterin

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    „Wir analysieren jede neue Technologie sehr genau und gehen dabei ins Eingemachte.“
    Dipl.-Ing. Bernhard Hoster, Leiter Technologiemanagement

Das Unternehmen Gira zählt mit über 1.200 Mitarbeitern in Deutschland und Vertretungen in 40 Ländern zu den führenden mittelständischen Unternehmen der Elektroindustrie. Produziert werden Schalter und Steckdosen sowie ein breites Spektrum an Elektroinstallationssystemen, u.a. für Kommunikationstechnik, Türsprechanlagen oder die Automatisierung von Heizung, Licht und Jalousien. Mit dem Geschäftsfeld Kunststofftechnik bietet Gira zudem spezielle Lösungen für die Medizin- und Pharmaindustrie.

Seit März 2013 ist Gira im Besitz einer Zhafir Mercury Maschine und produziert darauf Kunststoffteile für die Sparte Gebäudetechnik. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer, Herrn Alfred A. Bulitz, mit der stellvertretenden Einkaufsleiterin, Frau Heike Henze, sowie mit Herrn Andreas Höller, Projektleiter Industrialisierung, und Dipl.-Ing. Bernhard Hoster, Leiter Technologiemanagement.

Verehrte Frau Henze, verehrte Herren, in unserer weltweiten Kundenbefragung stellte sich u.a. heraus, dass der Trend bei komplexen Fertigungszellen mit nachgelagerten Montageschritten dahin geht, Standardmaschinen mit gehobenem Technologiestandard zu wählen. Wie sieht man das bei Gira?

Bulitz: Bei Gira geht der Trend klar zur automatisierten Fertigung. Wir investieren stark in die Automatisierung. Einmal die hochautomatisierte Fertigung von Teilen in großen Stückzahlen, und dann die beginnende Automatisierung bei Kleinserien.
Und ja, ich muss Ihnen Recht geben. Aber was heißt denn Standard mittlerweile? Hier hat in den letzten zehn Jahren ein extremes Aufrüsten stattgefunden. Wir bei Gira investieren heute anwendungsorientierter denn je, und die mittlerweile angebotenen Standardmaschinen reichen dafür in vielen Fällen aus.

Hoster: Für uns muss eine Spritzgießmaschine so ausgestattet sein, dass sie zu den Anforderungen des Kunststoffteils genau passt. Daher testen wir unermüdlich neue Technologien wie z.B. momentan das getrennte Plastifizieren und Einspritzen einer Mercury. Die Maschine wurde nach unseren Anforderungen konfiguriert und stellt sich gerade unseren Experten. Wir analysieren jede neue Technologie sehr genau und gehen dabei ans Eingemachte. Die Tests sind noch nicht abgeschlossen, aber sie sehen bislang sehr gut aus − wenn ich das vorwegnehmen darf.

Höller: Die Mercury war aber insofern kein Standard, als dass Heißkanalregler, zusätzliche Schnittstellen und noch ein paar Sonderoptionen integriert wurden. Allerdings ohne große Probleme.

Wie kam es eigentlich zur Mercury?

Bulitz: Da muss ich etwas ausholen. Und zugeben, dass ich vor einigen Jahren noch mit einem gewissen Lächeln an chinesischen Messeausstellern vorbeigegangen bin. Andererseits ist Gira international aufgestellt. Und der seriöse Umgang mit den Ressourcen unseres Unternehmens gebietet es, in der Welt vorhandene Technologien dahingehend zu prüfen, ob wir sie sinnvoll verwenden können oder nicht. Für uns bedeutet internationale Ausrichtung nicht nur vertrieblich eine globale Orientierung, sie betrifft auch die Beschaffung unserer Maschinen und Werkzeuge. Und wenn sich ein Unternehmen wie Haitian als Weltmarktführer über Jahre hinweg behauptet und in solch großen Stückzahlen verkauft, dann geht das nur, wenn die Maschinen auch funktionieren. Also habe ich angefangen, mich mit chinesischen Technologien auseinanderzusetzen. Und bin dabei auf die Mercury von Zhafir gestoßen.

...die allerdings bei Zhafir in Deutschland entwickelt und gebaut wurde...

Bulitz: Richtig. Aber so genau fanden wir das erst später heraus.

Auf der Chinaplas 2012 besuchten Sie dann den Stand von Haitian International. Hatten Sie da schon die Absicht eine Mercury zu kaufen?

Bulitz: Ja. Wir waren entschlossen, selbst herauszufinden was die Maschinen können und aus
den Erkenntnissen unsere Lehren zu ziehen. In Ebermannsdorf war ich dann massiv begeistert.
Ich habe dort einen brillanten Betrieb vorgefunden, der äußerst strukturiert ist und in seiner Gesamtheit eine hervorragende Fachkenntnis ausstrahlt. Und dann kauften wir die ME550, zu einem sehr fairen Preis. Nun läuft sie im 3-Schicht-Betrieb, 7 Tage die Woche, und stellt sich einem harten Vergleichstest mit zwei weiteren Maschinentypen − hinsichtlich Energieverbrauch pro kg Material, Zykluszeiten, Präzision, Prozessstabilität.

Die Mercury wird also richtig gefordert?

Bulitz: Ja. Ich will wissen, was solche Maschinen wirklich können. Nur dann kann ich guten Gewissens mitreden.

Hoster: Wir haben die Maschinen mit Werkzeuginnendrucksensoren ausgestattet und testen u.a. Toleranzen, Maßhaltigkeit, Oberflächenqualität, Materialveränderungen und ermitteln MFU-Werte.

Welchen Eindruck haben Sie, wie kommt die Mercury im Alltag an?

Bulitz: Unsere Mitarbeiter sind sehr zufrieden. Es gab keinerlei Gegenwehr, im Gegenteil. Die Mercury ist bei uns eine gleichwertige Spritzgießmaschine, wie jede andere auch.

Höller: Bei der Abnahme habe ich einen Kollegen mitgenommen, der der Mercury eher kritisch gegenüberstand. Auf der Heimfahrt war der Eindruck sehr positiv. Die Steuerung z.B. ist so selbsterklärend, dass wir die Schulung wahrscheinlich gar nicht brauchen.

Henze: Offen zu sein für Veränderungen, ist sehr wichtig. Das Thema ist eines unserer Leitmotive bei Gira. Nur so kommen wir voran in unserem täglichen Tun.

Bulitz: Weil wir dafür verantwortlich sind, dass unsere Kunden erfolgreicher sind als ihr Wettbewerb. Das macht unsere Unternehmenskultur aus. Das verpflichtet uns in jedem Bereich des Unternehmens, auch bei der Beschaffung von Maschinen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für das zögerliche Verhalten gegenüber chinesischen Maschinenherstellern?

Bulitz: Wahrscheinlich die Angst vor Veränderungen. In den meisten Fällen sind es Werksleiter, die Kaufentscheidungen treffen. Er hat dafür zu sorgen, dass sein Betrieb 24/7 die Wertschöpfung bringt, die von ihm verlangt wird. Warum sollte er ein Risiko eingehen? Oft sind Veränderungen in diesem Sinne auch gar nicht gewünscht.

Sie jedoch haben die Veränderung nicht gescheut.

Bulitz: Ich sehe mich als Vorbild – gerade in Bezug auf unsere Unternehmensleitlinien. Die
Entscheidung für Zhafir war für mich eine willkommene Gelegenheit, dies auch unter Beweis zu stellen. Ich verstehe die Werksleiter, die ständig auf Leistung getrimmt sind und nur an ihren Ergebnissen gemessen werden. Sie haben oft nicht den Mut, neue Wege zu gehen und wählen den Weg des geringsten Widerstandes, des geringsten Risikos.

Dann sind Sie und Gira besonders mutig in dieser Sache?

Bulitz: Ich will es so sagen: Es gibt in allen Märkten das Prinzip der Vorreiter und der Follower − und irgendwann wird es Normalität für alle. Wir sind solche Vorreiter, und das unterscheidet Gira von vielen anderen Unternehmen. Wir sind nicht nur bereit sondern auch sehr daran interessiert, ungewöhnliche Wege zu gehen. Wir wollen weiter wachsen und nach vorne kommen.

Als Bezugsquelle für Werkzeuge, Peripherie oder gar Kunststoffteile für Baugruppen steht China ganz oben an. Warum gibt es Ihrer Meinung nach gerade bei der Spritzgießmaschine so viele Bedenken?

Hoster: Es ist noch viel zu wenig bekannt, was diese Maschinen leisten können. Es herrschen noch große Vorurteile, geprägt von den Medien und Meinungsbildnern. Deshalb haben wir die Mercury ja selbst unter die Lupe genommen, um Gewissheit zu erlangen.

Bulitz: In meinen Augen ist die Antwort ganz simpel: Es werden schlichtweg mehr Werkzeuge als Maschinen benötigt. Engpässe in der Beschaffung zwingen den Verarbeiter über den deutschen bzw. europäischen Tellerrand hinaus zu blicken.
Auch Gira hat über zehn Jahre Erfahrung in der Beschaffung von Werkzeugen aus China. Von anfangs über 30 Partnern sind aber nur zwei übrig geblieben, mit denen wir sehr zufrieden sind. Es gibt ganz viele, die weder Kontinuität noch das Qualitätslevel haben. So auch bei den unzähligen Maschinenherstellern aus China. Wir als Verarbeiter haben die Aufgabe, „die Guten“ zu finden. Das ist nicht leicht.

Höller: In Gesprächen mit anderen Herstellern aus Europa merke ich immer wieder, dass natürlich jeder versucht, Argumente gegen den Wettbewerb − und speziell gegen chinesische Hersteller − zu platzieren. Verständlich, da keiner gerne einen Mitwettbewerber neben sich in der Fertigungshalle des Kunden sehen möchte. Die Argumente speziell gegen chinesische Hersteller drehen sich immer wieder um die Fertigungsqualität, Zubau von minderwertigen Komponenten, etc. Da ist die Gefahr groß, dass man sich fernlenken lässt. Nachdem wir aber sowohl in Ningbo als auch in Ebermannsdorf waren und gesehen haben, wie sie produzieren und was sie verbauen, waren diese Argumente sehr schnell entkräftet. Die Performance wie Genauigkeit und Prozessstabilität haben wir auf Herz und Nieren getestet und uns somit unser eigenes Bild gemacht.

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