R&DEnergieeffizienz − vollautomatisch?

Anschaffungskosten und Nutzenvorteil bestimmen den Marktwert einer Produktidee. Doch auch die Betriebskosten spielen eine wichtige Rolle ...

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    „ It is never enough to be attractive with low energy consumption values ...“
    Steffen Franz, Technical Director of Zhafir Germany

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    „The replacement parts are always affected by the single component costs. “
    Dieter Seifert, Director of Operations and responsible for overseeing the production process and customer service

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    „No doubt about it: All-electrical machines are No.1 in energy saving.“
    Constantin Missel, Product Manager for all-electric machines

Anschaffungskosten und Nutzenvorteil bestimmen den Marktwert einer Produktidee. Doch auch die Betriebskosten spielen eine wichtige Rolle, dabei ist der Faktor Energie längst eine feste Größe. Wir sprachen mit den Machern der Zhafir Plastics Machinery über den Stellenwert vollelektrischer Maschinen in der Gesamtbetrachtung.

Energieeffizienz ist zurzeit in aller Munde, auch in der Kunststoffindustrie. Welche Technologie hat im Bereich der Spritzgießmaschinen Ihrer Meinung nach die Nase vorn: Hybridtechnik, Vollelektrik oder hydraulische Maschinen mit servoelektrischen Antriebskonzepten?

Franz: Dafür muss man zunächst einmal hinterfragen, was genau denn Energieeffizienz ausmacht. Echte Effizienz kann doch nur dann gegeben sein, wenn die Energieleistung auf den Punkt stimmt. Es reicht keinesfalls aus, nur mit niedrigen Verbrauchswerten zu glänzen. Die Power muss auch exakt dort ankommen, wo sie gebraucht wird. Im vollen Umfang, versteht sich.­­

"...Es reicht keinesfalls aus, nur mit niedrigen Verbrauchswerten zu glänzen..."

Missel: Wenn Sie mich fragen, haben vollelektrische Maschinen längst die Nase vorn. Spritzgießmaschinen stehen ja nicht losgelöst auf dem Mond, sie sind immer in komplexe Prozesse eingebunden, verbrauchen diverse Ressourcen, nicht nur Strom. Aber selbst was den Stromverbrauch betrifft, sind die Unterschiede immens.

„...Kein Zweifel: Vollelektrische Maschinen sind die Energiesparer Nr. 1....“

Seifert: Ich denke, es liegt in der Natur der Sache, dass elektrische Motoren das größte Energie-Einsparungspotential haben. Und wie Steffen Franz schon sagte, wir können sie nicht nur perfekt auf den Bedarf abstimmen, also zum Beispiel was die Bewegungskräfte oder die Größe der Achsen betrifft, wir können sie auch auf den Punkt genau ansteuern, um die darauf abgestimmte Leistung abzurufen. Auch die Kinematik der Schließsysteme spielt damit rein.

Könnten Sie das mit konkreten Messungen oder anhand von Testbeispielen belegen?

Missel: Es gibt eine Reihe von internen Tests und Messungen, die das belegen. Aber natürlich sind das keine Kennziffern für die Öffentlichkeit. Viel anschaulicher sind da schon die Energietests, die uns unsere Kunden zur Verfügung stellen. Die zeigen sehr deutlich, welche Einsparungen eine Venus, eine Mars oder eine Mercury mit sich bringt, das ist für den Verarbeiter sicher viel aufschlussreicher.
Zum Beispiel gab es einen Vergleich zwischen der Venus und einer Hybridmaschine, dabei ging es um die Fertigung von nahezu 200 Gramm schweren PC/ABS-Komponenten. Im Ergebnis hatte die Venus 30 Prozent weniger Strom verbraucht. Ein anderer Kunde verglich den Energiebedarf der Venus mit einer hydraulischen Hightech-Maschine. Ergebnis hier: sogar 70 Prozent weniger Verbrauch. Wobei vor allem interessant ist, dass die Venus auch in den Anschaffungskosten klar niedriger war, und zwar um satte 50 Prozent!

Bedeutet das über kurz oder lang den Siegeszug der vollelektrischen Maschinen, ganz automatisch?

Franz: Ein nettes Wortspiel, aber ganz so einfach ist es sicher nicht. Der Spritzgießmaschinenmarkt ist ja eher ein traditioneller Markt, da braucht es schon noch ein wenig Überzeugungsarbeit und Geduld. Aber letztlich sehe ich im Moment keine wirkliche Alternative zur Vollelektrik. Das sehen im Übrigen aber auch viele Kunden so, erst recht, wenn sie vollelektrische Maschinen im Hause haben und ihre Energiekosten vorher und nachher vergleichen.

Missel: Ich sehe das auch so. Vollelektrische Maschinen haben schon heute einen sehr hohen Level erreicht, die Einsparungen sind signifikant, das steht außer Frage. Von der hohen Präzision ganz zu schweigen.

Dennoch sind die Anschaffungskosten vollelektrischer Maschinen aus Europa im Vergleich zu traditionell-hydraulischen Maschinen deutlich höher.

Franz: Und genau das ist meiner Meinung nach bislang die Erfolgsbremse der vollelektrischen Technologie in Europa. Die Verarbeitende Industrie hat längst erkannt, dass vollelektrische Maschinen in Punkto Energie und Präzision unangefochten sind. Nur die Wirtschaftlichkeitsrechnung ging bislang nicht ganz auf. Zhafir hat sich auf die Fahne geschrieben, vollelektrische Maschinen zum Preis einer hydraulischen zu verkaufen. Alles andere wäre der falsche Ansatz.

Was denken Sie, Herr Seifert, werden sich die Preise im vollelektrischen Hightech-Segment noch großartig nach unten ändern, oder wird es immer klare Unterschiede zu Hydraulikmaschinen geben, vielleicht sogar geben müssen?

Seifert: Sie meinen, wegen des höheren Technologieanteils?

Ja, aber auch bezogen auf die Herstellungskosten allgemein. Wenn Sie innovative Maschinenkonzepte entwickeln, muss sich das doch ganz zwangsläufig auch in der Preisgestaltung ausdrücken…

Seifert: Viele meinen ja immer, es käme bei der Preisfindung auf die Kosten in den Herstellungsländern an; deutsche Maschinen „müssten“ teurer sein als chinesische. Der Knackpunkt liegt aber vielmehr in der Konstruktion, das ist viel wichtiger für die Gesamtkosten. Es ist doch klar, dass derjenige, der sich im Engineering auf hoch individuelle Lösungen einschießt, diese auch mit höheren Stückkosten bezahlen muss. Deshalb setzen wir auf qualitativ sehr hochwertige Bauteile, aber in Standardausführung.

„… schlussendlich sind von den Einzelteilkosten ja immer auch die Ersatzteile betroffen ...“

Und wir kaufen sie in großen Mengen ein, auch das gereicht dem Kunden zum Vorteil. Viele Hightech-Komponenten für Elektrik und Elektronik kommen sowohl in der Mercury als auch in der Venus zum Einsatz. Und schlussendlich sind von den Einzelteilkosten ja immer auch die Ersatzteile betroffen. Auch da punktet Zhafir im Vergleich zu anderen.

Nach den jüngsten Erfolgen, wie etwa mit der Venus Serie − was dürfen wir als Nächstes von Zhafir erwarten?

Franz: Die Venus Serie, wir haben sie ja erst vor knapp vier Jahren auf den Markt gebracht, ist natürlich noch längst nicht da wo wir sie sehen. Da gibt es also noch eine Menge Aufbauarbeit zu leisten.

Das klingt aber sehr bescheiden, Herr Franz…

Franz: Nun gut, wir haben die Venus Serie mehr als tausendmal verkauft, und man dürfte − zumindest in Fachkreisen − inzwischen rund um den Globus vor ihr gehört haben. Aber mit dem Interesse allein ist noch kein Blumentopf gewonnen. Und auch dass sich die Absatzzahlen mit schöner Regelmäßigkeit verdoppeln, ist keine Gesetzmäßigkeit. Wollen wir weiterhin Erfolg haben, müssen wir an unseren Strukturen arbeiten, und die wachsen nicht von selbst.

Wie steht es nun aber mit der Produktentwicklung, woran arbeiten sie aktuell?

Franz: Was das betrifft, so werden wir uns sicher auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und dort weiter machen, wo wir zuletzt mit der Mercury aufgehört haben. Stichwort: Antriebstechnik, Steuerung, Leerlaufenergie. Zudem nutzen wir die vielen positiven Kommentare unserer Venus-Kunden und verbessern die berühmten Kleinigkeiten, die das Arbeiten noch einfacher machen. Etwa der kinematisch optimierte Kniehebel, die schwenkbare Einspritzeinheit oder eine verbesserte Auswerferkupplung für leichtere Werkzeugwechsel. Optimieren wollen wir letztlich auch die Synergien zwischen Haitian und Zhafir. Auch dafür gibt es schon neue Ansätze, Technologien übergreifend zu verbinden. Aber die bleiben unter uns, alle anderen müssen sich noch ein wenig gedulden …

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