R&D5 Jahre Zhafir Plastics Machinery!

Eine persönliche Zwischenbilanz

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    April 2009, topping-out ceremony in Ebermannsdorf: Zhang Jianming and Prof. Franz are totally convinced of their vision.

Ein Gespräch mit den Gründern Zhang Jianming, Vorsitzender des Vorstands und CEO der Haitian International und Prof. Helmar Franz, CEO der Zhafir Plastics Machinery und Vorstandsmitglied bei Haitian International.

Herr Professor Franz, Herr Zhang, im Mai 2007 haben Sie die Gründungsidee der Zhafir Plastics Machinery erstmals auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Ihr erklärtes Ziel war, vollelektrische Spritzgießmaschinen im Premium-Segment zu platzieren, mit umfangreicher Ausstattung im Standard und kostengünstig. Ambitioniert und etwas befremdlich für hiesigen Journalisten-Ohren. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz heute aus − nach fast fünf Jahren?

Prof. Franz: Sehr positiv. Sicherlich hat sich auf dem Weg zu dem, was Zhafir heute ist, das eine oder andere geändert. Zum Beispiel hatten wir damals nur die Entwicklung der Mercury im Fokus, dann aber sehr schnell gemerkt, dass eine Premium-Maschine auch ein Standardprodukt als Grundlage haben muss. So kam die Venus ins Portfolio. Das war eine ganz entscheidende Ausrichtung von Zhafir.

Zhang Jianming: Auch so schnell eine chinesische Tochter zu haben, stand nicht auf dem Plan. Und das Werk in Ningbo hat sich ja sehr schnell enorm gut entwickelt.

Prof. Franz: Insgesamt betrachtet, war unsere Idee damals zwar ambitioniert, aber richtig, wie sich heute zeigt. Trotzdem sind wir noch lange nicht am Ziel, wir sind eher auf einer Zwischenetappe angekommen – allerdings auf einer sehr ermutigenden. Die Marke Zhafir ist gerade dabei, sich im Bewusstsein der Branche zu etablieren…

Zhang Jianming: Zhafir ist noch ein zartes Pflänzchen, ohne große Historie, aber der Response ist durchweg extrem positiv. Selbst japanische Kunden vertrauen auf die Venus Serie, und dass, obwohl sie eine riesige Auswahl an vollelektrischen Hightech-Lösungen vor ihrer Haustüre haben.

„Unser strategischer
Grundsatz ist es, vollelektrische Maschinen zum Preis von Hydraulischen zur Verfügung zu stellen, damit die Einführung dieser ressourcensparenden und zukunftsträchtigen Technologie zu beflügeln. Dabei bleiben wir.“

Prof. Franz

„Wer wie wir den Anspruch hat,
Weltmarktführer bei vollelektrischen Maschinen zu werden, muss den asiatischen und allem voran den japanischen Markt für sich gewinnen.
Sonst hat man verloren.“

Zhang Jianming

Apropos Japan: Dort werden jährlich bis zu 15.000 vollelektrische Maschinen gebaut, und der japanische Markt ist darin führend. Sie wollten Zhafir als echte Alternative zu den Top-Anbietern positionieren und in Asien Nr. 1 werden. Dieser Plan scheint realistisch zu werden.

Zhang Jianming: Durchaus realistisch. Asien ist ja mit weit über 75 % Marktanteil der dominierende Käufermarkt für Spritzgießmaschinen. Das heißt, wer Weltmarktführer werden will, muss es in Asien schaffen. Im Bereich vollelektrische Maschinen ist Japan der größte und auch der innovativste Markt. Wenn also japanische Verarbeiter ein chinesisches Produkt bestellen − trotz immer noch bestehender Vorbehalte zwischen Japan und China, so kann man mit Recht behaupten, einen Meilenstein erreicht zu haben.
Aber auch im gesamten asiatischen Raum sind wir stark aufgestellt. Nehmen Sie China, Thailand, Malaysia, die Philippinen: In jeder Ecke dieser Welt haben wir einen Servicestützpunkt, können die Maschinenbediener in ihrer Muttersprache trainieren. Diese zusätzliche Dienstleistung ist eine der Gründe, warum sich z.B. japanische Kunden bei Übersee-Projekten immer häufiger für uns entscheiden. In Vietnam z.B. sind wir die Ersten, die Spritzgießmaschinen bauen und nachhaltig supporten.

Prof. Franz: Ich kann bei meinen Besuchen in Japan durchaus feststellen, dass dieser Affront gegen chinesische Maschinen relativiert zu sehen ist. Mag sein, dass der Japaner dem Chinesen nicht sehr viel zutraut, in Kombination mit einer deutschen Mutter aber, ist es offenbar ganz anders. Dann sind sie bereit, den Versuch zu wagen und Maschinen zu testen. Und dann stellen sie fest, dass eine Venus sich in keiner Weise verstecken muss. Ganz im Gegenteil, der attraktive Preis spielt uns in die Karten.
Insofern sehen wir Zhafir nicht nur als Alternative zu den Marktführern. Zhafir hat das greifbare Potential schnell unter die Top-3 zu kommen und dann in ein paar Jahren in Asien die Nr. 1 zu werden.

Schauen wir nach Europa: Das vollelektrische Geschäft entwickelte sich hier zunächst sehr zaghaft, was vermutlich der traditionellen Skepsis gegenüber neuen Konzepten und Marken geschuldet ist. Inzwischen vermelden Ihre Partner wie z.B. aus Italien, Tschechien, Frankreich erste Erfolge. Denken die Europäer langsam um?

Prof. Franz: Sicher denkt Europa hier um, aber von richtigen Vertriebserfolgen sind wir noch weit entfernt. Es stimmt zwar, dass die Vollelektrik hier immer beliebter wird, nur war die Technologie der bisherigen Maschinen schlichtweg zu teuer. Deshalb konnten sie sich nicht wirklich durchsetzen, allenfalls in Hightech-Nischen. Hinzu kommt aber auch, dass Europa ein ganz besonderer Markt ist. Das muss man nach wie vor differenziert sehen. Zum einen gibt es die Hightech-Märkte wie Deutschland, Italien, Frankreich und andererseits osteuropäische Länder, die als Outsourcing-Märkte immer stärker werden und gegenüber chinesischen Herstellern naturgemäß viel offener sind. Wie auch immer: Wir wollen allen Verarbeitern die Vorteile der Vollelektrik zugänglich machen, indem wir die sie zum Preis einer europäischen Hydraulischen anbieten. Das war und ist unser strategischer Grundsatz, dabei bleiben wir.

Auf der letzten K-Messe in Düsseldorf präsentierten Sie nach fast fünf Jahren Entwicklungszeit die neue Zhafir Mercury Serie. Das neue Konzept zielte unter anderem darauf ab, Werkzeugdesignern und Anwendern mehr Gestaltungsmöglichkeiten für komplexe Geometrien und schwer zu verarbeitende Materialien zu bieten. Wie war die Resonanz?

Prof. Franz: Die Mercury ist für uns eine einzige Freude. Viele Ideen, die wir damals auf der ersten Pressekonferenz angesprochen hatten, sind jetzt Wirklichkeit. Dieses Konzept ist so neu, dass wir sehr leicht Begeisterung wecken, aber auch schnell eine gewisse Skepsis spüren. Hier muss sich das Team von Zhafir Deutschland noch einigen Herausforderungen stellen. Bislang wurden 30 Einheiten bestellt, die nun als Testmaschinen auf Herz und Nieren geprüft werden − überwiegend von internationalen Großkonzernen.

Zhang Jianming: Allerdings gibt es auch Kunden, die diese Versuchsphase überspringen. Ein Venus-Kunde aus Russland zum Beispiel hat gleich mehrere Mercury-Einheiten bestellt. Er traut uns schlichtweg die technologische Kompetenz zu, solch eine Maschine zu bauen.

Decken sich die Entscheidungskriterien der Kunden denn mit den Zielen Ihrer Entwicklungsarbeit, oder kristallisierten sich noch andere Vorteile heraus?

Prof. Franz: Das liegt in der Natur der Sache, dass Innovationen noch Vorteile offenbaren, an die zuvor keiner gedacht hat. Von einem Kunden hörten wir zum Beispiel, dass er die offene Bauweise der Mercury nun zum Werkzeugwechseln von unten nutzt. Das war so nicht gedacht, ist aber sehr erfreulich. Es wird sicher auch Rückmeldungen geben, die wir zur Optimierung der Maschinen nutzen. Zumindest hoffen wir auf viele Aha-Effekte. Ich denke, wer neue Technologie auf den Markt bringt, sollte generell offen sein für Optimierungen. Wir, jedenfalls, sind es.

Anlässlich einer Veröffentlichung in der deutschen Fachzeitschrift „Kunststoffe“ stellten Sie die provokante Frage „Sind die technischen Möglichkeiten im Spritzgießmaschinenbau bereits ausgereizt?“. Fast fünf Jahre später präsentieren Sie die Mercury. Sind Sie nun zufrieden und am Ziel angekommen?

Prof. Franz: In keiner Weise. Sicherlich setzt das Maschinenkonzept der Mercury neue Maßstäbe hinsichtlich Antrieb, Mechanik, Steuerung. Aber wären damit alle Möglichkeiten ausgereizt? Wohl kaum. Mir wäre sogar lieb, wir steckten die gesamte Branche an, neue Wege zu gehen. Ideen sind per se etwas Dynamisches, von daher kennt innovative Entwicklungsarbeit sowieso kein Ende…

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